Ansprache Seiner Majestät König Willem-Alexanders beim Mittagessen, gegeben vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, München

Herr Ministerpräsident, Frau Seehofer, meine Damen und Herren!

Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte. Herzlichen Dank auch für die Gastfreundschaft, die Sie uns entgegenbringen. Meine Frau und ich haben uns gefreut auf diesen Besuch im Freistaat Bayern – heute in München und morgen in Nürnberg.

»In Bayern gehören Heimatliebe, Verantwortung für die Gemeinschaft und Weltoffenheit zusammen.« Das sagten Sie, Herr Ministerpräsident, in Ihrer letzten Neujahrsansprache. Voller Stolz auf Ihre eigene Kultur, suchen Sie die Zusammenarbeit mit anderen, auch mit den Niederlanden.

Unsere engen Bande mit Bayern empfinden wir als besonders wertvoll, weil wir glauben, dass wir viel miteinander gemeinsam haben. Der Besuch, den wir heute und morgen Ihrem Land abstatten, spiegelt die Vielfalt unserer Beziehungen wider.

Heute Morgen durften wir in der Alten Pinakothek den erneuerten Holländer-Saal eröffnen. Dieser prachtvolle Saal steht symbolhaft für unsere kulturelle Verbundenheit. »Kunst und Kultur sind kein Luxus, sondern Lebenselixier.« Das sind Ihre Worte, Herr Ministerpräsident, und damit haben Sie viele inspiriert.

Es erfüllt uns mit Stolz, dass es so viele konkrete Beispiele für bayerisch-niederländische Zusammenarbeit gibt. Heute Vormittag waren wir in der BMW-Welt zu Gast, wo uns der niederländische Chefdesigner Adrian van Hooydonk herumgeführt hat. Niemand kann so leidenschaftlich über das Liniendesign eines deutschen Autos erzählen wie er!

Wir freuen uns darauf, die technische und wirtschaftliche Exzellenz Bayerns näher kennenzulernen. Tradition und Innovation gehen hier Hand in Hand und scheinen sich gegenseitig zu verstärken. Bayern – das ist Heimat und High-Tech zugleich.

Wirtschaftsbeziehungen leiden manchmal an Weitsichtigkeit. Zwar sehen wir in der Regel die Bedeutung von Partnern in weiter Ferne; wir unterschätzen aber gelegentlich, wie wichtig manche Partner im näheren Umfeld für uns sind.

Die Niederlande exportieren genauso viel nach Bayern wie nach China. Unser bilateraler Handel hat ein größeres Volumen als der zwischen den Niederlanden und Japan. Ich hoffe, unser Besuch trägt dazu bei, dass man bei uns die Bedeutung Bayerns für unser Land noch besser erkennt.

Dabei geht es um viel mehr als nur um Wirtschaftsfragen. Wir wissen, dass Ihr Freistaat Großes leistet, wenn es um die Aufnahme der vielen Flüchtlinge geht, die nach Europa kommen. Wir wissen auch, wie viel den Bürgern Bayerns abverlangt wird.

Sie, Herr Ministerpräsident, haben stets Ihren Wunsch nach Zusammenarbeit betont, um dieser Krise Herr zu werden – mit Partnern innerhalb wie außerhalb Deutschlands. Auch wir in den Niederlanden sehen diese Notwendigkeit, und darum ist es gut, dass wir enger zusammenstehen.

Ein bayerisches Sprichwort sagt – und ich hoffe, ich spreche es einigermaßen verständlich aus: »Ned gschimpft is globt gnua«. Auf Hochdeutsch: Nicht geschimpft ist gelobt genug.

Hier zeigt sich, dass man bei Ihnen das Augenmerk stets darauf richtet, wie man etwas noch besser machen kann. Die Messlatte liegt in Bayern immer hoch.

Sie stellen hohe Anforderungen an sich selbst und geben sich nicht schnell zufrieden. Diese Mentalität hat Bayern zu dem gemacht, was es heute ist: eine der wohlhabendsten, höchstentwickelten und attraktivsten Regionen Europas.

Selbstkritik ist eine Tugend. Aber manchmal braucht es den Blick eines Außenstehenden, um eine klare Sicht auf sich selbst zu bekommen.

Gestatten Sie mir, dass ich heute diesen Part übernehme.

Bayern verdient wirklich großes Lob für seine Leistungen in den Bereichen Kultur, Innovation und Gemeinwohl.

Und nicht zu vergessen: im Sport. Wir freuen uns, dass unser Landsmann Arjen Robben dazu einen nicht unbedeutenden Beitrag leistet. Bayern ist spitze!

Darf ich Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben:

auf Ihre Gesundheit, Herr Ministerpräsident und Frau Seehofer,

auf den Freistaat Bayern

und auf unsere Zusammenarbeit und unsere Freundschaft!