Tischrede Seiner Majestät König Willem-Alexander beim Mittagessen, gegeben vom Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen, Bodo Ramelow, Weimar

Herr Ministerpräsident,
Frau Alberti vom Hofe,
meine Damen und Herren!

Vielen Dank für Ihre herzlichen Worte und für die gastfreundliche Aufnahme hier in Weimar. Was für einen eindrucksvollen Ort haben Sie sich für dieses Mittagessen ausgesucht! Man spürt in diesem Bücherkubus den Geist Schillers und Goethes und all der anderen Größen, die der Kultur Europas ihren Stempel aufgedrückt haben.
Goethe hatte vollkommen recht: "In Bibliotheken fühlt man sich wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet."

Meine Frau und ich haben uns auf unseren Besuch in Thüringen gefreut. Ihr Freistaat bewahrt die Erinnerungen an das Schönste, Beste und Erhabenste, was die Menschheit hervorgebracht hat. Aber auch an die Grausamkeiten, zu denen Menschen imstande sind. Wer Europa verstehen will, und die Notwendigkeit, auch künftig in diesem Europa zusammenzuarbeiten, muss nach Thüringen und Weimar kommen. Denn hier wird Geschichte greifbar.

Sie, Herr Ministerpräsident, haben den jüngsten Teil dieser Geschichte mitgestaltet.
Nach der Wende kamen Sie hierher, um am Aufbau der Gewerkschaftsbewegung mitzuwirken, und schon bald wurden Sie auch politisch aktiv. Sie wissen wie kaum ein anderer, wie viel Zeit und Engagement es kostet, die großen Ideale der deutschen Einheit zu verwirklichen. Alle, die sich gemeinsam mit Ihnen hierfür einsetzen, verdienen großen Respekt.

Für uns ist es überaus wertvoll, nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft Thüringens Bekanntschaft zu machen. Der Ruf Thüringens in Sachen Innovation reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Dieses Bundesland ist der Brennpunkt der optischen Technologie, und wir freuen uns darauf, davon heute Nachmittag in Jena noch mehr zu sehen und zu hören. Dort werden sich auch Vertreter niederländischer Unternehmen präsentieren.

Die Niederlande fühlen sich in besonderer Weise mit Deutschland und nicht zuletzt auch mit den östlichen Bundesländern verbunden. Unsere Kulturen haben so viel miteinander gemein. Das haben wir erst gestern Abend wieder feststellen können, als wir auf der Wartburg interessante Gespräche über 500 Jahre Reformation geführt haben.

Bei fast allem, was wir erreichen wollen, sind wir aufeinander angewiesen: in der Politik, in sozialen Fragen und im Bereich der Wirtschaft. Es ist unser inniger Wunsch, dass unser Besuch zu einer noch stärkeren Verbundenheit beitragen möge.

Darf ich Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben:

auf Ihre Gesundheit, Herr Ministerpräsident und Frau Alberti vom Hofe!
auf die Freundschaft zwischen Thüringen und den Niederlanden!