Tischrede Seiner Majestät König Willem-Alexander beim Abendessen, gegeben vom Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, Wittenberg

Herr Ministerpräsident,
Frau Haseloff,
meine Damen und Herren!

Meine Frau und ich möchten Ihnen danken für den besonders gastfreundlichen Empfang hier in Sachsen Anhalt, in der großartigen Stadt Wittenberg.

Heute Nachmittag haben wir gemeinsam die Schlosskirche besucht, die Wiege der Reformation. Unser Land wurde nachhaltig von der Reformation geprägt, auch wenn es vor allem Johannes Calvin war, der uns seinen Stempel aufdrückte, und nicht Martin Luther. Aber das tut der großen historischen Bedeutung dieser Stadt – auch für Niederländer – keinen Abbruch.

Sie kennen diese Stadt und dieses Land schon Ihr ganzes Leben lang, Herr Ministerpräsident.

Sie sind hier geboren und zur Schule gegangen. Und nach Ihrem Studium sind sie hierher zurückgekehrt, um hier zu arbeiten. Sie haben aus der Nähe miterlebt, wie die Wende das Leben der Menschen verändert hat. Sie hat auch bei vielen widerstreitende Gefühle ausgelöst: Hoffnung auf ein besseres Leben, aber auch Enttäuschung und Verbitterung, als deutlich wurde, dass sich nicht alle Erwartungen in kurzer Zeit erfüllen würden.

Umso größer sollte die Wertschätzung für all diejenigen sein, die sich unermüdlich für die Zukunft dieses besonderen Bundeslandes einsetzen. Seien Sie versichert, dass wir uns in den Niederlanden eng mit Ihnen verbunden fühlen.

Das ist auch unseren großen Gemeinsamkeiten auf kulturellem Gebiet zu verdanken. Dieses Jahr blicken wir zurück auf hundert Jahre De Stijl, jene Kunstbewegung, zu deren führenden Köpfen Piet Mondrian und Gerrit Rietveld gehörten. Sie entwickelten eine neue, klare Formensprache, die ihr Pendant im deutschen Bauhaus fand. Meine Frau und ich freuen uns denn auch sehr auf unseren Besuch morgen in Dessau!

Es gibt noch etwas, was uns verbindet, und das ist das Thema Hochwasserschutz. Sachsen-Anhalt und die Niederlande können hier auf eine jahrhundertelange Erfahrung zurückblicken. In letzter Zeit hat man sich zunehmend um nachhaltige Lösungen bemüht, bei denen die Flüsse wieder mehr Raum erhalten. Es ist gut, wenn wir unsere Fachkompetenz auf diesem Gebiet bündeln! Auch das steht morgen in Dessau auf dem Programm.

Herr Ministerpräsident, unseren heutigen Besuch in der Schlosskirche noch frisch vor Augen, möchte ich schließen mit einer von Luthers Thesen. Mir ist bewusst, dass diese Thesen bis heute heftige Diskussionen auslösen. Aber einer, so meine ich, müssten alle Menschen guten Willens einmütig zustimmen können:

»Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser.«

In diesem Geiste möchte ich Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben:

auf Ihre Gesundheit, Herr Ministerpräsident und Frau Haseloff!
auf die Liebe zwischen Sachsen-Anhalt und den Niederlanden!