Tischrede Seiner Majestät König Willem-Alexander beim Mittagessen anlässlich des offiziellen Besuchs des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Frank-Walter Steinmeier, Den Haag

Herr Bundespräsident, Frau Büdenbender,

herzlich willkommen! Es ist uns eine große Freude, Sie beide hier im Palais Noordeinde zu begrüßen. Meine Frau und ich freuen uns sehr über Ihren Besuch in den Niederlanden.

Genau wie Ihnen liegt auch uns das besondere Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern sehr am Herzen.

Wie Sie wissen, besuchen wir seit 2013 jedes Jahr ein oder mehrere Bundesländer. Für uns ist dies viel mehr als eine schöne Tradition. Es ist vor allem eine phantastische Möglichkeit, mit Ihrem Land und seinen Bewohnern auf Tuchfühlung zu bleiben. Wir reden mit Unternehmern, Politikern, Wissenschaftlern und Studenten. Aber auch mit Bewohnern alter Stadtviertel und mit Menschen aus der Welt von Kunst und Kultur. Und jedesmal fällt uns wieder auf, wieviel Talent, Engagement und Können überall in Deutschland anzutreffen sind.

An ein Charakterbild Deutschlands möchte ich mich nicht wagen. Als Sie, Herr Bundespräsident, letzten Monat in einem Interview gefragt wurden, was für Sie typisch deutsch sei, sagten Sie lachend: »Dass wir uns ständig fragen, was typisch deutsch ist« …

Sie nannten aber auch noch einige weitere Aspekte: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Liebe zur Heimat, Weltoffenheit. Eine Beobachtung, die wir nur bestätigen können. Gerade in ihrer Kombination liegt die Stärke dieser deutschen Eigenschaften. In einer Welt, in der alte Gewissheiten immer mehr in Frage gestellt werden, ist Deutschland ein stabiler Faktor und ein verlässlicher Partner. Dies ist unglaublich wertvoll. Europa und die Welt können sich glücklich schätzen, dass ein großes Land wie Deutschland so viel Mitverantwortung für das Wohl der Weltgemeinschaft verspürt.

Sie, Herr Bundespräsident, sind ein Exponent dieser offenen Haltung. Während Ihrer Amtszeit als Außenminister haben Sie dies fortwährend unter Beweis gestellt. Und auch als Bundespräsident tun Sie alles Ihnen Mögliche, um zu Frieden, Freiheit und Wohlstand in Europa und der Welt beizutragen. Sie tun dies auf Ihre ganz eigene freimütige und ungezwungene Art und Weise.

Das Verbindende zu suchen ist schwieriger als lauthals die eigene Position zu verkünden. Diese Rolle ist manchmal etwas undankbar. Uns als direkten Nachbarn ist bewusst, dass Deutschland hier nicht immer die Anerkennung erfährt, die es verdient.

Seien Sie gewiss, dass die Niederlande sich Ihnen eng verbunden fühlen. Wir verstehen sehr gut, vor welchen außen- und innenpolitischen Aufgaben Sie stehen, weil dies auch für uns wichtige Themen sind. Wie können wir dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Talente voll entfalten können? Wie können Neubürger einen vollwertigen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten? Wie können wir dafür sorgen, dass die Flamme der Freiheit und Toleranz weiterbrennt, nicht nur im eigenen Land, sondern auch in Europa? All diese Fragen beschäftigen auch uns zutiefst. Deshalb kommt Ihrem Besuch in den Niederlanden große Bedeutung zu.

Herr Bundespräsident, Sie sind als Jazzfreund bekannt. Manchmal erfasst der Swing sogar Ihren Amtssitz, unter dem Motto »Jazz im Schloss Bellevue«.

Sie wissen wie kein anderer: im Jazz dreht sich alles um Harmonie und Rhythmus – aber genauso um Freiheit und Improvisation!
Sicherheit und Offenheit halten sich ständig in Balance. In diesem Verhältnis liegen die Spannung und die Qualität der Musik.

Auch in Ihrer Arbeit kommen diese Elemente zum Ausdruck: Sicherheit und Offenheit, Gemeinschaftssinn und eigenes Profil.

Die Niederlande haben selbstverständlich einen eigenen musikalischen Part.
Aber gemeinsam bilden wir ein phantastisches Ensemble!

Darf ich Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben?
Auf Ihre Gesundheit, Herr Bundespräsident und Frau Büdenbender.
Auf das harmonische Zusammenspiel der Bundesrepublik Deutschland und des Königreichs der Niederlande.