Ansprache Seiner Majestät des Königs beim Mittagessen, gegeben von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, Mainz

Frau Ministerpräsidentin, Herr Jensen, meine Damen und Herren!

Meine Frau und ich sind dankbar für den gastfreundlichen Empfang hier in Mainz und für die herzlichen Worte, die Sie, Frau Dreyer, soeben gesprochen haben.

Wie Sie wissen, besuchen wir jedes Jahr ein oder mehrere Bundesländer, und wir haben uns besonders auf diese Gelegenheit gefreut, das wunderbare Rheinland-Pfalz näher kennenzulernen.

Es ist gut, dass wir unsere Kontakte intensivieren, denn es gibt viele interessante Verbindungen zwischen Rheinland-Pfalz und den Niederlanden.

Mein Eindruck ist, dass wir unser gemeinsames Potential zwar kennen, möglicherweise aber noch nicht voll ausschöpfen. Darum bin ich froh, dass unser Besuch Vertretern unserer beiden Länder zahlreiche Gelegenheiten für Begegnungen bietet. Dieses Mittagessen ist eine davon.

Wenn ich von Verbindungen spreche, denke ich in erster Linie an das fließende blaue Band, das wir Mutter Natur zu verdanken haben: den Rhein. Heute Nachmittag werden wir auf einer Bootsfahrt nach Boppard mehr über die Bedeutung des Güterverkehrs auf dem Wasser hören.

Wir wissen, dass die Binnenschifffahrt beim Ausstoß von Treibhausgasen dem Lkw-Verkehr ein Stück voraus ist. Doch um diesen Vorsprung zu behaupten, brauchen wir eine Umrüstung auf sauberere Motoren und Kraftstoffe.

Dies ist eines der Themen, an denen wir gemeinsam arbeiten.

Die zweite Verbindung zwischen uns ist ebenfalls flüssig, aber von völlig anderer Art: der Wein. Wir bewundern den reichen Wissensschatz, der hier bei Ihnen über viele Generationen angehäuft worden ist.

Als junges, aufstrebendes Weinbauland haben die Niederlande der Kompetenz und Innovationskraft deutscher Winzer viel zu verdanken. Wir freuen uns darauf, heute mehr darüber zu erfahren.

Ein drittes verbindendes Element ist die Liebe zum kulturellen und historischen Erbe. Sie führt jedes Jahr viele Niederländer in diese Region. Die Geister scheiden sich an der Frage, welches die älteste Stadt Deutschlands ist, aber eines steht fest: sie liegt in Rheinland-Pfalz.

Worms konnte leider nicht in unser Besuchsprogramm eingebaut werden, wohl aber Trier – Ihr Wohnort, Frau Ministerpräsidentin! Morgen werden wir die Porta Nigra und den Dom besuchen, und darauf freuen wir uns sehr.

Ich könnte noch viele weitere Gemeinsamkeiten zwischen unseren Ländern nennen.

Eine davon möchte ich hier herausgreifen, weil Rheinland-Pfalz dabei eine besondere Rolle spielt. Denn hier – in Hamm an der Sieg – stand vor 200 Jahren die Wiege des Vaters der Genossenschaftsidee: Friedrich Wilhelm Raiffeisen. In einer Zeit, da die Kluft zwischen Arm und Reich unüberbrückbar schien, verlieh er einfachen Menschen die Hoffnung, den Mut und die Mittel, die Armut abzuschütteln.

Nicht durch Almosen, sondern indem er sie in die Lage versetzte, ihre Kräfte zu bündeln und sich selbst zu helfen.

Seine Ideen waren sehr einflussreich, auch in unserem Land. Nicht nur im Bankwesen, sondern auch in der Landwirtschaft und vielen anderen Sektoren.

Das ist auch die Erfahrung, die meine Frau immer wieder macht als Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für finanzielle Inklusion und Entwicklung.

Das Erbe Raiffeisens ist bis auf den heutigen Tag relevant und fruchtbar. Mehr noch, es inspiriert immer mehr Menschen.

Auf ihren Reisen erlebt sie überall auf der Welt, wie etwa Kreditgenossenschaften den Menschen helfen, eine bessere Existenz aufzubauen.

Das Erbe Raiffeisens ist bis auf den heutigen Tag relevant und fruchtbar. Mehr noch, es inspiriert immer mehr Menschen. Zahlreiche neue Bürgerinitiativen fußen auf seinen Ideen, ob es nun um die Energiewende geht, die Altenpflege oder den Erhalt von Versorgungseinrichtungen in kleinen Ortschaften.

Übrigens, dass auch ein anderer Erneuerer, der sich mit der Kluft zwischen Arm und Reich beschäftigte, vor 200 Jahren in Rheinland-Pfalz geboren wurde, ist ein besonderer Zufall. Ich rede natürlich von Karl Marx. Morgen besuchen wir in Trier eine Ausstellung, die ihm gewidmet ist.

Frau Ministerpräsidentin, Rheinland-Pfalz hat eine beeindruckende Vielfalt aufzuweisen. Dieses Bundesland hat Europa und gewiss auch den Niederlanden eine Menge zu bieten. Die Niederlande sind stolz darauf, dass auch Sie uns als Partner schätzen.

Das Interesse ist groß, die Beziehungen noch weiter zu festigen, und unser Besuch unterstreicht diesen Wunsch. Vielen Dank für Ihr persönliches Engagement und dafür, dass Sie unserer Zusammenarbeit einen so hohen Stellenwert beimessen.

Darf ich Sie nun bitten, das Glas zu erheben?

Auf Ihre Gesundheit, Frau Ministerpräsidentin und Herr Jensen!

Auf die Zusammenarbeit zwischen Rheinland-Pfalz und dem Königreich der Niederlande!