Ansprache Seiner Majestät des Königs beim Mittagessen, gegeben vom Ministerpräsidenten des Saarlandes, Tobias Hans, Saarbrücken

Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren!

Vielen Dank für den gastfreundlichen Empfang hier in Saarbrücken und für die herzlichen Worte, die Sie soeben gesprochen haben, Herr Ministerpräsident.

Unser Besuch folgt auf ein besonders freudiges Ereignis in Ihrem Privatleben. Meine Frau und ich gratulieren Ihnen und Ihrer Frau von Herzen zur Geburt Ihres Sohnes und Ihrer Tochter.

Dies sind intensive Tage für Sie. Umso dankbarer sind wir, dass Sie uns Gelegenheit geben, heute und morgen das Saarland und die Saarländer näher kennenzulernen.

Deutschland und die Niederlande pflegen ein inniges Verhältnis und intensive Kontakte. Uns ist bewusst, dass Deutschland ein sehr vielseitiges Land ist, mit großen geographischen Unterschieden und einem faszinierenden Reichtum an kulturellen und wirtschaftlichen Traditionen.

Darum legen wir Wert darauf, alle Bundesländer zu besuchen und besser kennenzulernen.

Das Saarland ist nicht nur ein schönes Bundesland im Westen Deutschlands, es ist auch ein europäischer Schnittpunkt.

Ihre Geschichte ist eng verflochten mit der Geschichte der Nachbarn, darunter die Benelux-Länder. Mehrmals befand sich das Saargebiet an der Frontlinie von Konflikten.

Auf friedliche Weise ist es gelungen, Lösungen zu finden, die für alle befriedigend sind. Das Saarland symbolisiert gleichsam die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit in Europa.

Allenfalls auf dem Gebiet des Sports sehnt sich mancher vielleicht nach den alten Zeiten zurück, als das Saarland auf internationaler Ebene noch eine andere Position hatte. Die holländische Fußball-Nationalmannschaft absolvierte Mitte der fünfziger Jahre zweimal ein Freundschaftsspiel gegen das Saarland, eins davon hier in Saarbrücken.

Beide Male gewannen die Niederlande mit nur einem Tor Vorsprung. Mich würde interessieren, wie ein solches Spiel heute ausgehen würde ...

Was das Saarland so faszinierend macht, ist der außergewöhnliche Strukturwandel, den die Wirtschaft hier durchgemacht hat. Ihre Stahlindustrie ermöglichte Ende des neunzehnten Jahrhunderts einen enormen Entwicklungsschub. Sie gehörten zu den Pionieren auf dem europäischen Kontinent. Morgen können wir in der Völklinger Hütte ihr industrielles Erbe bewundern.

Die allermeisten Hochöfen sind inzwischen erloschen, und die Bergwerke sind stillgelegt. Stahl und Steinkohle spielen nicht mehr die zentrale Rolle. Aber das Saarland erfindet sich neu! Heute erzeugen nicht länger mächtige Maschinen neues Wachstum, sondern digitale Daten.

Vom Rohstahl zum Roboter – so lässt sich in vier Worten die Wirtschaftsgeschichte des Saarlandes zusammenfassen.

Es ist inspirierend, sich über Ihre großen Ambitionen auf diesem Gebiet zu informieren.

Besonders augenfällig ist dabei der Aufbau eines Zentrums für künstliche Intelligenz hier in Saarbrücken. Auch in den Niederlanden sind Unternehmen und Wissenschaftler intensiv damit beschäftigt, die Möglichkeiten der digitalen Wirtschaft auszuloten und zu nutzen.

Einige von ihnen nehmen an der Wirtschaftsmission teil, die parallel zu unserem Besuch stattfindet. Ich bin sicher, dass auf diesem Gebiet das Saarland und die Niederlande einander viel zu bieten haben.

Die digitale Wirtschaft hat weitreichende Folgen für uns alle. Sie verändert die Arbeitswelt. Sie verändert den Unterricht an Schulen und Hochschulen. Sie verändert Pflege und Gesundheitsversorgung. Ja sie verändert das ganze gesellschaftliche Leben. Es ist eminent wichtig, dass wir alle Implikationen analysieren und unsere Erkenntnisse austauschen.

Morgen wird es unter anderem um die Frage gehen, wie die Informationstechnologie uns helfen kann, länger gesund zu bleiben und selbständig zu wohnen.

Und heute Abend auf Schloss Saareck werden die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung im Mittelpunkt stehen. Darauf freuen wir uns schon.

Das Saarland ist nicht sehr groß, aber es beeindruckt durch seinen Unternehmergeist und sein Fortschrittsdenken. Diese Eigenschaften befähigen Sie, Schwierigkeiten zu überwinden, und verleihen Ihnen die Kraft, Berge zu versetzen. Dafür hegen wir in den Niederlanden Bewunderung, und wir möchten sehr gern die gegenseitigen Beziehungen verstärken.

Ich möchte Sie nun bitten, das Glas zu erheben.

Auf Ihre Gesundheit und Ihr Glück, Herr Ministerpräsident!

Auf die Zusammenarbeit zwischen dem Saarland und dem Königreich der Niederlande!