Tischrede Seiner Majestät des Königs beim Besuch in Mecklenburg-Vorpommern, Schweriner Schloss

Frau Ministerpräsidentin, Herr Schwesig,

vielen Dank für Ihre herzlichen Worte. Welch besondere Erfahrung, an diesem schönen Ort zu Gast zu sein, wo mein Urgroßvater seine Kindheit verbrachte! Meine Frau und ich fühlen uns hier willkommen, und wir freuen uns sehr auf heute und morgen. Für uns ist dies eine einzigartige Gelegenheit, Ihr Bundesland noch besser kennenzulernen.

Mecklenburg-Vorpommern und die Niederlande sind keine unmittelbaren Nachbarn. Aber wir sind schon seit vielen Jahrhunderten miteinander verbunden. Was zu Zeiten der Hanse entstand, ist bis heute sichtbar. Wir erkennen uns ineinander wieder. Unternehmergeist, der Wille zur Zusammenarbeit, all das macht unsere Verbindung so stark.

Es nötigt uns Respekt ab, welche Entwicklung dieses Bundesland seit der Wende vor dreißig Jahren durchlaufen hat. Damals kamen die Einwohner Mecklenburgs und Vorpommerns unter einem Dach zusammen. Gemeinsam haben Sie seither Großes geleistet.

Mir ist durchaus bewusst, dass dies nicht einfach war. Alte Gewissheiten waren weggebrochen. Es musste etwas Neues aufgebaut werden. Eine neue Wirtschaft, die Arbeitsplätze und Wohlstand schafft. Ein neuer sozialer Verbund, in dem sich die Menschen beschützt und aufgehoben fühlen können. Ein neues Verhältnis zu den Nachbarn – innerhalb der Bundesrepublik, aber auch jenseits der Landesgrenzen.

All diese Aufgaben wurden entschlossen in Angriff genommen. Für uns ist es überaus wertvoll, hier mit Bürgern, Unternehmern und Amtsträgern über ihre Erfahrungen sprechen zu können. Denn wir können viel von Ihnen lernen. Viele der Themen, die Sie intensiv beschäftigen, sind auch in den Niederlanden hochaktuell.

Ich denke in erster Linie an die Frage, wie wir den ländlichen Raum vital erhalten können in Zeiten, da die Bevölkerung an vielen Orten zurückgeht. Das ist nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern ein Thema, sondern auch in verschiedenen Regionen der Niederlande.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen auf dem Land nicht entmutigen lassen, sondern gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, um ihrem Dorf eine neue Zukunft zu geben. Die wichtigsten Ressourcen sind immer und überall menschliche Kreativität, Gemeinschaftssinn und Tatkraft. Kaum etwas ist unmöglich für Menschen, die sich mit Herzblut für das gemeinsame Interesse einsetzen. Meine Frau und ich sind neugierig auf die konkreten Erfahrungen, die man hier gemacht hat. Darum freuen wir uns ganz besonders auf den Besuch morgen in Bollewick!

Es gibt noch viel mehr, was uns verbindet. Darunter nicht zuletzt unsere Beziehung zum Meer. Sie sind zu Recht stolz auf Ihre lange Küstenlinie, und das gleiche gilt für uns. Am Meer zu wohnen ist herrlich, es bringt aber auch große Verantwortlichkeiten mit sich! Der Küstenschutz ist für Sie wie für uns eine permanente Aufgabe. Hier in Ihrem Bundesland ist viel Fachwissen auf diesem Gebiet konzentriert. Heute Nachmittag hören wir mehr darüber im Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Dabei wird es auch darum gehen, was wir gemeinsam tun um unsere Sicherheit zu gewährleisten und unsere Natur zu schützen.

Ich möchte Ihnen Dank sagen für die Begeisterung, mit der Sie die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg suchen. Nicht nur mit Ihren unmittelbaren Nachbarn im Osten und Norden. Sondern auch mit uns als Ihren Partnern und Freunden im Westen! Es ist wichtig, dass wir in Europa zueinanderfinden und uns gegenseitig immer besser verstehen. Nur so können wir miteinander erfolgreich die Probleme angehen, die über unsere eigenen Grenzen hinausreichen.

Diese offene Haltung finden wir hier bei Ihnen vor, und das macht diesen Besuch für uns schon jetzt so wertvoll.

Wir hoffen, dass der Besuch unser Band noch weiter stärken wird, damit noch mehr meiner Landsleute den Weg in dieses markante Bundesland finden mögen – ob als Touristen oder aus anderen Gründen. Und umgekehrt hoffen wir natürlich, dass Sie weiterhin auch bei uns vorbeischauen!

Die Geschichte, die wir seit der Hansezeit miteinander teilen, lebt.
Mit unserem Besuch möchten wir ihr gern ein neues Kapitel hinzufügen, in der Überzeugung, dass noch viel Gutes und Schönes vor uns liegt.

Darf ich Sie nun bitten, das Glas mit mir zu erheben?
Auf Ihre Gesundheit, Frau Ministerpräsidentin und Herr Schwesig!
Auf die Freundschaft zwischen Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden!