Ansprache Seiner Majestät des Königs beim Besuch des Bundesrates im Rahmen des Staatsbesuchs in der Bundesrepublik Deutschland

Verehrter Herr Bundesratspräsident,
sehr geehrte Mitglieder des Bundesrates,

es ist mir eine außerordentliche Ehre, hier in diesem hohen Hause zu Ihnen sprechen zu dürfen. Dies ist ein besonderer Höhepunkt des Staatsbesuchs, den meine Frau und ich der Bundesrepublik Deutschland abstatten. Der Besuch bildet zugleich den Abschluss einer langen Reise in alle Bundesländer, die 2013 ihren Anfang nahm.

Welche Freude, hier so viele bekannte Gesichter wiederzusehen! Wir verbinden sehr angenehme Erinnerungen mit allen Besuchen und mit der Gastfreundschaft, die Sie uns in Ihren Ländern entgegengebracht haben.

Sie haben uns gezeigt, wie unglaublich facettenreich Deutschland ist.

Wir waren in der Universität Oldenburg und im Opelwerk in Rüsselsheim. 

In Lübeck sprachen wir über intelligente Gesundheitsversorgung. Und in Hamburg und Bremerhaven über Windkraft auf See.

Wir waren im Justizpalast in Nürnberg, um über das Völkerrecht zu diskutieren. Und konnten uns in München davon überzeugen, wie sehr die bayerische Wirtschaft »brummt«.

In Dessau haben wir das Bauhaus besucht. In Stuttgart das Neue Schloss.
Auf der Wartburg in Eisenach hörten wir die Stimme Martin Luthers.
Und in Leipzig haben wir uns im Stadtteil Grünau umgesehen und mit Bewohnern über ihre Erfahrungen nach der Wiedervereinigung gesprochen.

Wir trafen Winzer an der Mosel. Industriedesigner in Essen. Roboterexperten in Saarbrücken. Freiwillige in einer großen Scheune in Bollewick. Und Soldaten in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Potsdam.

Und das ist nur eine kleine Auswahl aus unseren vielen Gesprächen und Begegnungen.
Warum pflegen wir unsere Kontakte mit den Bundesländern eigentlich so intensiv? Dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens um der Vielfalt Deutschlands und seiner bundesstaatlichen Gliederung gerecht zu werden. Dieses Land verfügt über einen ungeheuren Reichtum an Traditionen und Geschichten, und es sprüht vor Aktivität und Ehrgeiz. Wer diesen Reichtum kennenlernen will, muss die Menschen in ihrer Heimat aufsuchen.

Zweitens weil Ihr Land uns am Herzen liegt. Und wen man mag, dem schenkt man Zeit und Aufmerksamkeit.

Wir unterstützen uns gegenseitig in guten und weniger guten Zeiten. Den Vertretern Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens möchte ich an dieser Stelle gern für die Hilfe danken, die ihre Länder uns geleistet haben, als die Coronapandemie bei uns am heftigsten grassierte. Niederländische Intensivpatienten fanden bei Ihnen gastfreie Aufnahme. Das hat uns sehr angerührt.

Wir arbeiten mit beiden Bundesländern sehr gut zusammen, um grenzbedingte Hindernisse für Bürgerinnen und Bürger, Studierende, Unternehmer und Arbeitnehmer zu beseitigen. Aber das Besondere an unserem Verhältnis zu allen Bundesländern besteht darin, dass wir mehr tun, als vorhandene Probleme zu lösen. 

Mindestens genauso wichtig ist, dass wir künftige Probleme vermeiden und die Dinge besser machen wollen.

Die Zukunft gehört denen, die Erneuerung wollen und wagen. Denn ohne Erneuerung wird es schlichtweg nicht gehen.

Im Rahmen unserer Besuche in den Ländern fanden 25 Missionen rund um das Thema Innovation statt. Darin spiegelt sich das große Interesse der niederländischen Seite, die Zusammenarbeit mit deutschen Partnern zu vertiefen.

Die Zeit reicht nicht, um hier alle Bereiche anzusprechen, in denen unsere Länder gemeinsame Interessen haben. Lassen Sie mich nur einige wenige herausgreifen.
Erstens: Gesundheit. Schon lange vor der Coronapandemie war dies ein Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit. Ich erinnere mich an unseren Besuch in den Labors von Dräger Medical in Lübeck 2015. Wir sprachen damals über die Zukunft der Krankenhausversorgung und über neue, schnellere Impfmethoden. Themen, die seitdem enorm an Dringlichkeit gewonnen haben! Mittlerweile suchen wir nach Wegen, wie wir unsere Kräfte noch stärker bündeln können, um besser auf künftige Pandemien vorbereitet zu sein.

Ein zweites gemeinsames Thema sind die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel. Nicht zuletzt dank der deutschen Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr, hat die Europäische Union hier eine Führungsrolle übernommen.

Uns ist nur allzu bewusst, wie kompliziert es ist, eine deutliche CO2-Reduktion zu erreichen. Dafür brauchen wir unser ganzes technisches Know-how und müssen wir all unsere politischen und gesellschaftlichen Kapazitäten mobilisieren. 

Es ist mir in den letzten Jahren aufgefallen – in Hamburg, in Bremerhaven, in Potsdam und an so vielen anderen Orten –, wie sehr Deutsche und Niederländer sich auf diesem Feld gegenseitig zu immer höheren Leistungen antreiben.

Wir sehen es ganz konkret bei unseren Anstrengungen, den Einsatz von Wasserstoff auszuweiten. Unsere Länder sind die beiden größten Wasserstoffproduzenten Europas. Wenn wir unsere Forschung und unsere Infrastruktur gut aufeinander abstimmen, können wir viel zusätzliche Energie produzieren.
Ein drittes Interesse, das uns verbindet: wir müssen dafür sorgen, dass unsere Industrien sauber produzieren und dabei wettbewerbsfähig bleiben. 

In Deutschland werden Erzeugnisse von höchster Qualität hergestellt. Wir blicken mit Bewunderung auf Ihre Leistungen. Von Präzisionsinstrumenten bis zu technischen Großanlagen – wenn’s einer hinbekommt, dann unsere deutschen Nachbarn. Aber wie führen wir diese Tradition in die Zukunft? 

Unter anderem in Jena, Dortmund, Stuttgart und Saarbrücken haben wir gesehen, wie Deutschland und die Niederlande sich hierbei gegenseitig unterstützen können.

Und es gibt noch so viele weitere gemeinsame Interessen! Denken Sie etwa an unsere ausgezeichnete Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Oder an die phantastischen kulturellen Bande, geknüpft von Tausenden Künstlern, Denkern, Designern und anderen kreativen Geistern. Auch dafür haben wir bei unseren Besuchen viele schöne Beispiele gesehen, zuletzt heute Morgen hier in Berlin!
Uns ist bewusst, dass wir Sie in einem besonderen Jahr besuchen. Deutschland bereitet sich auf die Bundestagswahl im September vor, und auch in einigen Bundesländern finden in diesem Jahr Wahlen statt. 

Vertraute Persönlichkeiten ziehen sich zurück. Wir sind ihnen sehr dankbar für ihren Beitrag zum Gedeihen der deutsch-niederländischen Beziehungen. Andere werden ihren Platz einnehmen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihnen.

Auch wenn sich die Besetzung ändert – unser Zusammenspiel geht weiter.

Wenn wir etwas mit unseren Besuchen deutlich machen wollten, dann unseren Wunsch nach Kontinuität. Und unseren Glauben an eine Zukunft zusammen mit Ihnen. 

Dieser Staatsbesuch ist denn auch kein Abschluss, sondern ein Glied in einer langen Kette. Kein Schlusspunkt, sondern der Beginn von etwas Neuem.

Wir werden die Entwicklungen in den Ländern in den kommenden Jahren weiter aufmerksam verfolgen. Und es wird uns eine Freude sein, auch künftig ansprechende deutsch-niederländische Initiativen und Innovationen zu unterstützen. Mit Besuchen oder auf andere Weise.

Ich hoffe, dass wir uns dann wiedersehen. Die Pflege unserer vielfältigen Beziehungen liegt uns sehr am Herzen!

Ich danke Ihnen.