Anlässe, Melodie und Text

Das Wilhelmus wird bei bestimmten nationalen und internationalen Anlässen gespielt oder gesungen. Meist wird nur die erste Strophe zu Gehör gebracht, gelegentlich folgt auch noch die sechste Strophe, »Mein Schild und mein Vertrauen«.

Melodie

Die Melodie des Wilhelmus ist einem französischen Soldatenlied entlehnt, das während der Belagerung von Chartres im Jahre 1568 populär war. Die heutige Melodie geht auf eine Bearbeitung von Adriaen Valerius aus dem Jahr 1626 zurück, der sie in seinem Band »Nederlandtsche Gedenck-clanck« festhielt. Die Anfangsbuchstaben der fünfzehn Strophen bilden den Namen Willem van Nassov. Im 18. Jahrhundert kam das Wilhelmus vornehmlich als Kampflied der Orangisten zum Einsatz, es war aber noch nicht die offizielle Nationalhymne.

Text

Die erste bekannte Erwähnung des Textes datiert von 1572. Als Verfasser gilt Philipp von Marnix, der Sekretär Wilhelms von Oranien.

Das Wilhelmus in deutscher Übersetzung:

Wilhelmus von Nassawe
bin ich von teutschem blut,
dem vaterland getrawe
bleib ich bis in den todt;
ein printze von Uranien
bin ich frey unerfehrt,
den könig von Hispanien
hab ich allzeit geehrt.

In Gottes forcht zu leben
hab ich allzeit betracht,
darum bin ich vertrieben,
umb land, und leut gebracht;
aber Gott sol mich regieren
als ein gut instrument
das ich mag widerkehren
wol in mein regiment.

Leid euch, mein untersassen,
die auffrecht sein von art,
Gott wird euch nicht verlassen,
all seit jhr nun beschwert;
wer from begert zu leben,
der bitt Gott nacht und tag,
das er mir krafft wöll geben,
das ich euch helffen mag.

Leib und gut als zusammen
habe ich nit gespart,
mein brüder hoch mit namen
haben euch auch verwart;
Graff Adolff ist geblieben
in Friesland in der schlacht,
sein seel im ewigen leben
erwardt den jüngsten tag.

Edel und hochgeboren,
von keyserlichem stamm,
ein fürst des reichs erkoren,
als ein from christenman,
für Gottes wort geprisen
hab ich frey unverzagt,
als ein held sonder forchten,
mein edel blut gewagt.

Mein schild und mein vertrawen
bistu, o Gott mein herr,
auff dich so will ich bawen,
verlas mich nimmer mehr;
das ich doch from mag bleiben,
dir dienen zu aller stund,
die tyranney vertreiben
die mir mein hertz durchwund.

Von allen, die mich beschweren,
und mein verfolger sein,
mein Gott, wölst doch bewaren
den trewen diener dein;
das sie mich nit verraschen
in jhrem bösen mut,
jr hende nit thun waschen
in meim unschüldigen blut.

Als David muste fliehen
vor Saulo dem tyrann,
so hab ich müssen weichen
mit manchem edelman;
aber Gott thet jhn erheben,
erlösen aus aller not,
ein königreich gegeben
in Israel, sehr gros.

Noch sawr werd ich empfangen
von Gott meim herren das süsz,
darnach so thut verlangen
mein fürstelich gemüt;
das ich doch möge sterben
mit ehren in dem feld,
ein ewigs reich erwerben
als ein getrewer heldt.

Nichts thut mich mehr erbarmen
in meinem widersput,
denn das man sicht verarmen
des königs landen gut;
das euch die Spanier krencken,
o edel Niderland gut,
wenn ich daran gedencken,
mein edel hertz das blut.

Als ein printz auffgesessen
mit meiner heereskrafft,
wol von dem feind vermessen
hab ich die schlacht verwacht;
der, bey Mastrich lag vergraben,
beförchtet mein gewalt;
mein reuter sach man traben
sehr mutig durch das feld.

So es der wil des herren
auf die zeit wer gewest,
het ich gern wöllen kehren
von euch dis schwere tempest;
aber der herr dort oben,
der alle ding regiert,
den man allzeit mus loben,
der hat es nit begert.

Sehr christlich war getrieben
mein fürstelich gemüt;
standhafftig ist geblieben
mein hertz in widerspüt;
den herrn hab ich gebeten,
aus meines hertzen grundt,
das er mein sach wöll richten,
mein unschuld machen kundt.

Urlaub, mein armen schaffen,
die sein in grosser not,
ewer hirt der sol nit schlaffen;
und, seid jr nun verstrewt,
zu Gott wölt euch begeben,
sein heilsam wort nempt an,
als fromme christen leben,
sol hie bald sein gethan.

Vor Gott wil ich bekennen
und seiner grossen macht,
das ich zu keinen zeiten
den könig hab veracht,
denn das ich Gott den herren,
der höchsten maiestet,
hab müssen obedieren
in der gerechtigkeit.

(Quelle: Das Ambraser Liederbuch)