Der Rittersaal

Von 1815 bis 1903 wurde die Thronrede im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses verlesen; der Bau ist Teil des historischen Gebäudekomplexes rund um den Haager Binnenhof. Seit 1904 findet die Zeremonie in dem als eigenständiges Gebäude ausgeführten Rittersaal statt, der das Herzstück des Binnenhofs bildet.

Bild: RVD
Der Rittersaal.

Geschichte

Den Grundstein für den Bau des Rittersaals legte Graf Wilhelm II. von Holland, der auch Römischer König war, im Jahr 1248. Sein Sohn, Graf Florenz V. von Holland, vollendete den Bau um 1280. Genutzt wurde der Saal von den Grafen von Holland als Festsaal; Philipp von Burgund empfing hier 1432 und 1456 die Ritter des von ihm gestifteten Ordens vom Goldenen Vlies.

1581 fällten die Generalstaaten im Rittersaal die Entscheidung, den spanischen König Philipp II. nicht länger als ihren Souverän anzuerkennen. Zu Beginn der ersten statthalterlosen Zeit im Jahr 1651 tagten hier die Delegierten der sieben Provinzen, die zusammen die Republik der Vereinigten Niederlande bildeten. Später war der Rittersaal dem Verfall preisgegeben; im 17. und 18. Jahrhundert wurden hier Lotterien veranstaltet, in der Franzosenzeit nutzten Kadetten den Saal zum Exerzieren.

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebäude eine einzige Ruine, durch die sogar ein Abwassergraben verlief. 1861 machte sich Reichsbaumeister Willem Nicolaas Rose an die Restaurierung. Er baute unter anderem einen gusseisernen Dachstuhl ein, der auf zweireihig angeordneten gusseisernen Säulen ruhte, so dass eine dreischiffige Konstruktion entstand. Ab 1878 wurde der Saal vom Innenministerium als Archivraum genutzt.

Die Gebäude, die im Lauf der Zeit an den Rittersaal angebaut worden waren, wurden abgerissen. 1904 wurde der Saal in neugotischem Stil restauriert. Der Architekt Pierre Cuypers sorgte für eine geschmackvolle Ausstattung des Innenraums mit türkischen Boden- und Wandteppichen. Diese wurden 1954 anlässlich des Staatsbesuchs Kaiser Haile Selassies von Abessinien entfernt. Außerdem wurden damals die von Cuypers sandfarben gestalteten Wandflächen weiß überstrichen, und es wurden die Flaggen der niederländischen Provinzen aufgehängt.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts findet im Rittersaal nicht mehr nur die alljährliche Vollversammlung beider Parlamentskammern mitsamt Verlesung der Thronrede statt, sondern es werden dort auch große Empfänge, Diners, Kongresse und Konferenzen ausgerichtet. So fand 1949 hier der Runde Tisch statt, an dessen Ende die Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens durch die Niederlande stand. Auch lud die Regierung zu zwei festlichen Abendessen in den Rittersaal ein: eines für Königin Beatrix anlässlich ihres silbernen Amtsjubiläums und ein weiteres für Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima am Vorabend ihrer Hochzeit.

Als man Anfang dieses Jahrhunderts feststellte, dass der Bezugsstoff des Throns, der seit 1904 im Rittersaal steht, erneuert werden muss, nahm man dies zum Anlass, die gesamte Innenausstattung des Gebäudes kritisch zu begutachten. Seit Abschluss der daraufhin eingeleiteten Renovierungsarbeiten, die bis 2006 andauerten, genügt der Saal den Nutzungsanforderungen des 21. Jahrhunderts. Prunkstücke sind die neunzehn Wappenteppiche der zwölf Provinzen, des Reichs und der in der Karibik gelegenen Teile des Königreichs. Auf dem Kaminsims an der Nordseite des Saals prangen der Wortlaut von Artikel 1 der Verfassung von 1848 und die zwölf Sterne der Europaflagge.

Der Rittersaal wird vom Staatlichen Hochbauamt verwaltet. Das Besucherzentrum ProDemos des »Hauses der Demokratie« organisiert Führungen durch den Rittersaal, bei denen auch der Senat und das Abgeordnetenhaus besucht werden.